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Schleifen ohne Frust: Profi-Tipps für die perfekte Oberfläche

Disclaimer: Bei den folgenden Aussagen handelt es sich um einen unabhängigen Erfahrungsbericht. Von genannten Marken haben wir kein Geld erhalten. Kostenfreie Produkte wurden uns für die Zeit der Entwicklung von FESTOOL und MIRKA zur Verfügung gestellt, wofür wir sehr dankbar sind. Dennoch schreiben wir diesen Artikel unabhängig und ohne Vorgaben von FESTOOL und/oder MIRKA. Wir nennen die Geräte und das Zubehör aus Überzeugung von deren Qualität und weil wir sie selbst benutzen. Geräte, von denen wir nichts halten, erwähnen wir hier nicht. Sicherheitshalber kennzeichnen wir diesen Abschnitt dennoch als WERBUNG.

Bei der Materialauswahl gibt es ein großes Angebot. Nicht alles davon führt zu einem angenehmen Arbeitserlebnis. Ein zu dünner und qualitativ minderwertiger Schutzanzug reißt beispielsweise schnell. Der Gedanke "Naja, dann kaufe ich halt zwei, kostet ja dasselbe wie ein hochwertiger" kommt einem da schnell in den Sinn, schließlich ist der Unterhalt einer Yacht teuer, und man schaut hier und da, wo man sparen kann. Aber genau von dieser Denkweise raten wir ab. Denn was wir festgestellt haben, ist: Wer billig kauft, kauft zweimal. Wir haben gute Erfahrungen mit den Produkten von 3M gemacht.

Für das Abziehen der Farbe vom Rumpf nutzen wir einen Farbschaber mit zusätzlichem Griff für gute Führung und ordentliche Krafteinbringung auf die Klinge. An dieser Stelle hat uns der Ergo Kraftschaber 665 mit 65mm Klinge stets gute Dienste geleistet. Da das Antifouling dabei auf den Boden fällt, muss zwingend eine Plane untergelegt werden, um es aufzufangen. Die Giftstoffe darin sollten weder über Rasen, noch über Hallenboden die Möglichkeit haben zu entfliehen - deshalb ist es besser Farbschaber mit Absaugung zu verwenden.

Nachdem die gröbere Farbe damit abgezogen ist, kann der Untergrund angeschliffen werden. Das ist wichtig, damit sich der neue Unterwasseranstrich optimal im Bootsrumpf verankern kann. Unsere Empfehlung ist hierfür ein handlicher Exzenterschleifer oder Getriebe-Exzenterschleifer mit 150 mm Schleifteller. Ob man zum normalen Exzenterschleifer oder zum Getriebe-Exzenterschleifer greift, hängt im Wesentlichen von der Aufgabe ab, vor der man steht. Für einen Zwischenschliff, um danach neues Antifouling aufzutragen, ist ein leichter und handlicher Exzenterschleifer optimal. Für Sparfüchse tut es auch ein gewöhnlicher Exzenterschleifer, auf dessen die Unterschiede wir nachher noch eingehen. Soll das ganze Unterwasserschiff neu aufgebaut werden, braucht es gröberes Gerät, damit es nicht so lange dauert. Die Getriebe-Exzenterschleifer sind dafür optimal. In den folgenden Abschnitten ordnen wir die meistgenutzten Geräte verschiedenen Kategorien zu. 

Das Non-Plus-Ultra

Wer auf professionelle Hardware setzen will, der ist bei FESTOOL und MIRKA an der richtigen Adresse. MIRKA DEROS 2 und FESTOOL ETS-EC nehmen sich in ihrer Funktion als leichtgewichtige Exzenterschleifer mit minimalen Vibrationen nicht viel. Ob einem die Bedienung per Paddle (MIRKA) oder Taster (ETS-EC) mehr zusagt, muss jeder für sich entscheiden.

Allerdings gibt es für die größeren Abtragsraten zwei sehr unterschiedliche Konzepte: Das FESTOOL ROTEX 150 positioniert sich als klassischer Getriebe-Exzenterschleifer in der Kategorie "Eierlegende-Wollmilchsau". Ohne Direktantrieb hat es eine vergleichbare Feinfühligkeit eines normalen Exzenterschleifers und büßt nur ein wenig Händelbarkeit durch sein deutlich höheres Gewicht ein. Im Direktantrieb hält der Drehteller auch bei höherer Belastung nicht an und sorgt so für ein hohes Maß an Abrieb. MIRKA geht einen drastischeren Weg und dabei gleich mindestens einen Schritt weiter: Der DEROS RS 600 ist kein Exzenterschleifer, sondern ein Rotationsschleifer mit deutlich höherer Drehzahl. Damit präsentiert er sich in der Abriebsrate oberhalb von klassischen Getriebe-Exzenterschleifern, aber noch unterhalb von einem Winkelschleifer mit Lamellenscheibe. Letzteres wäre unkontrollierbar am Unterwasserschiff und würde kein gleichmäßiges Ergebnis liefern. Der DEROS RS ist allerdings nicht für jeden Einsatzzweck geeignet. Wir reden hier von einem deutlichen Sprung in der Abtragsrate, was sich nur lohnt, wenn man sich durch sehr viele Schichten durcharbeiten muss. Wer nur zwei bis drei dünne Schichten schleifen will, wird mit diesem Gerät nicht die ausreichende Feinfühligkeit haben, denn dieses Gerät fängt erst so richtig da an, wo das ROTEX schon aufgehört hat. Die beste Kombination bieten - je nach Präferenz in der Bedienung - entweder ETS-EC 150/3 oder DEROS 2 630 (jeweils 3mm Exzenterhub für maximale Präzision) und dazu sowohl der ROTEX 150, als auch der DEROS RS. Was die Schleifarbeiten mit 150mm Durchmesser angeht, ist man damit für alle Eventualitäten bestens ausgerüstet.

Zusatz-Tipp: Durch die Verwendung von Zwischenpads wie das FESTOOL 150 mm Interface-Pad 15mm Dicke oder MIRKA 150mm Softauflage 10mm Dicke können auch leichte bis mittlere Innenwölbungen ohne Probleme geschliffen werden. Auch das Schleifergebnis wird insgesamt gleichmäßiger. Aber Achtung! Die Verwendung erfordert mehr Konzentration, da das Gerät sich nun nicht mehr von selbst am Bootsrumpf ausrichtet und leichter abkippt. Wir haben die Pads nur da benutzt, wo stärkere Außenwölbungen oder generell Innenwölbungen am Boot sind.

Mirka Deros RS und Festool Rotex 150 mit Schleifunterstützungs-Adaptern

Kosteneffiziente Getriebe-Exzenterschleifer

Wer ein etwas geringeres Budget hat, wird auf dem derzeitigen Markt dennoch fündig: Der BOSCH GET 75-150 liegt preislich mit 375 bis 400€ deutlich unter den FESTOOL- und MIRKA-Produkten und hat dennoch eine sehr hohe Abtragsrate, dicht gefolgt vom MAKITA BO6050J, welches sich im Punkt Abtragsrate auf Augenhöhe mit dem FESTOOL ROTEX 150 positioniert, Preislich aber sogar für unter 300€ erhältlich ist.

Dieser Getriebe-Exzenterschleifer besitzt einen aktiven Antrieb der Rotationsbewegung, welche in unseren Tests sehr kräftig ausgefallen ist. Bei Verwendung des Getriebe-Modus sind die Geräte jedoch in der Händelbarkeit etwas eingeschränkt. Vor allem das BOSCH GET 75-150 wirkt in Kombination mit unserer Schleifunterstützung in bestimmten Positionen etwas unruhig, das lässt sich aber mit einer gut eingestellten Anbindungsposition und durch das Gewicht eines Absaugschlauchs funktioniert gut lösen. Den direkten Antrieb vom Schleifteller kann zwar bei beiden Geräten ausgeschaltet werden, allerdings wird dabei die Rotationsbewegung beim BOSCH GET fast auf 0 reduziert, sodass die Abtragsrate ohne eingeschalteten Direktantrieb sehr gering ausfällt. Der Sprung zwischen Direktantrieb und Exzenter-Betrieb lässt hier eine Lücke offen. MAKITA ist beim BO6050J der Übergang deutlich sauberer gelungen und auch die Händelbarkeit im Getriebemodus ist hier angenehmer bei Verwendung der Schleifunterstützung. Unter Berücksichtigung der Anschaffungskosten und der Handhabung beider Geräte würden wir zum MAKITA BO6050J greifen. Wer schon ein BOSCH GET 75-150 hat, braucht aber nicht zu wechseln. Die Unterschiede in der Handhabung fallen eher mäßig aus.

Makita BO6050J und Bosch GET 75-150

Leicht und gut:

Der METABO SXE 150 spielt in derselben Kategorie, wie FESTOOL ETS-EC und MIRKA DEROS 2: Ein handlicher und ausgesprochen leichter Exzenterschleifer. Verglichen mit DEROS 2 und ETS-EC gibt es hier leider nur eine Exzenterhub-Option: 5 mm, dafür ist das Gerät preislich attraktiver als die beiden Konkurrenten - mit knapp 400€ aber noch immer nicht "günstig".

Kleiner Tipp am Rande: Die oben genannte Softauflage von MIRKA passt auch bei diesem Gerät, was das METABO SXE 150 im Bootsbau zu einem echten Geheimtipp macht!

Kosteneffiziente Exzenterschleifer:

Genug der groben Gewalt: Nach den Getriebe-Exzenterschleifern widmen wir uns jetzt den Spezialisten für den Feinschliff. Der entscheidende Unterschied ist technischer Natur: Setzt der Getriebe-Schleifer für den Grobschliff auf eine kraftvolle Zahnradübersetzung, vertraut der klassische Exzenterschleifer auf eine fliehkraftunterstützte Rotation – das Geheimnis für ein makelloses Oberflächenfinish.

BOSCH hat mit dem GEX 40-150 einen soliden Kompromiss aus Kosteneffizienz und Qualität im Angebot. METABO unterbietet den Kostenpunkt mit dem SXE 450 sogar noch, hat aber auch etwas weniger Leistung, die sich im Betrieb jedoch nur wenig bemerkbar macht. Unserer Meinung nach sind die beiden Geräte das Optimum für den preisbewussten Bootseigner. Das BOSCH GEX haben wir selbst über langfristige Aufgaben wie das Abschleifen vom Deck verwendet und natürlich auch einen Adapter für unsere Schleifunterstützung entwickelt (siehe Bild). Mit einer Abtragsrate, die nach unseren Vergleichstests 70% vom BOSCH GET Gerät beträgt, dauert das Abschleifen vom Unterwasserschiff also etwas länger im direkten Vergleich. Dafür ist die Arbeit einfacher. Der BOSCH GEX wie auch der METABO SXE 450 folgen mühelos dem Bootsrumpf, auch mit unserer Schleifunterstützung. Wer seine Yacht nicht bis auf das Gelcoat abschleifen möchte, oder die 30% mehr Zeitaufwand dafür erübrigen kann, wird mit diesen Geräten in Kombination mit unserer Schleifunterstützung seine Freude haben! Mit einem Preisbereich deutlich unterhalb der Getriebeexzenterschleifer ist diese Kombination perfekt für alle, die ohne viele Pausen durcharbeiten wollen.

Antifouling Schleifen mit Schleifunterstützung und Bosch GEX 40-150

Schleifnetze im Fokus: Effizienz durch moderne Gitterstruktur

Ein genauer Blick auf die Schleifscheiben lohnt sich, da deren Qualität und Einsatzgebiete stark variieren – erkennbar an einer herstellerspezifischen Farbkodierung. Von den typischen roten oder gelben Scheiben aus dem Baumarktsortiment sollte man jedoch Abstand nehmen, da diese zu schnellem Zusetzen neigen und somit die nötige Abtragsleistung vermissen lassen.Wir nutzen stattdessen Schleifnetze. Diese brauchen keine Löcher für die Absaugung, da sie gitterförmig aufgebaut sind und somit per se luftdurchlässig. Das bietet auch die Möglichkeit, mehr Schleifstaub aufzunehmen, sodass sich die Scheiben nicht so schnell zusetzen. Hervorragende Ergebnisse lassen sich vor allem mit den Schleifnetzen vom Typ MIRKA Abranet Ace HD erzielen, die sich in der Praxis besonders bewährt haben. Geht es lediglich darum, den Bootsrumpf für einen neuen Anstrich vorzubereiten, ist eine 80er-Körnung ideal; eine 40er-Körnung wäre hierfür zu aggressiv. Letztere spielt ihre Stärken jedoch aus, wenn ein kompletter Abtrag bis auf das Gelcoat erforderlich ist. In diesem Fall ist ein anschließender Zwischenschliff mit 80er-Körnung unerlässlich, um die Oberflächenstruktur für den optimalen Verbund der nächsten Schicht vorzubereiten. Auch FESTOOL bietet Schleifnetze an, welche  einen etwas feineren Netzaufbau haben. Dadurch sinkt  zwar die Abtragsgeschwindigkeit, aber dafür sind sie deutlich langlebiger.

Praxiserfahrungen aus unseren jüngsten Kundenprojekten bestätigen uns die hohe Qualität dieser Schleifnetze: Während sich das Abranet Ace HD P40 als ideale Besetzung für den effizienten Grobschliff erwiesen hat, empfehlen wir für das perfekte Finish das Granat Net P80 von Festool. Alternativ liefert auch das Abranet Ace P80 (ohne HD-Zusatz) hervorragende Ergebnisse beim Endschliff. Eine preiswerte Option für feine Oberflächen bietet zudem das Bosch Expert M480, das aufgrund seiner feinen Netzstruktur und Verfügbarkeit ab Körnung P80 eine interessante Alternative für den Feinschliff darstellt. Wir freuen uns über Rückmeldungen aus der Fachwelt, sollten Sie mit dem Bosch-System bereits eigene Erfahrungen gesammelt haben.